Schnelligkeit

 

Schnell zu sein, ist nicht nur das Ergebnis eines harten Trainings der Muskeln,
des verstehens von Yin und Yang,
oder der perfekten Bewegung an sich.
Schnelligkeit entwickelt sich auch durch die Fähigkeit,
die möglichen Bewegungen des Gegners vorauszusehen.
(Mirco Berwing auf einem Polizeitrainerseminar in Stralsund)

 

Im Sport ist die Schnelligkeit eine Komponente der Kondition, die wiederum Bestandteil der sportlichen Leistung ist. Ohne Schnelligkeit läuft im Kampfsport nichts, denn jede Abwehr muss mit einer gewissen Schnelligkeit ausgeführt werden, um erfolgreich zu sein, denn... Angriffe können ganz schön schnell sein! American Kenpo ist berühmt für seine besonders schnellen Bewegungen, d.h. viele Bewegungen in kürzester Zeit. Neider gaben Kenpo schon mal die Bezeichnung "klatschende Kunst". Zugegeben, dazu kann sie ganz schnell werden, wenn man sich dem "Geschwindigkeitsrausch" hingibt und selbstzufrieden vor dem Spiegel agiert. Leider gibt es schon einige Exemplare von Kenpoisten, bei denen die Bewegungen faszinieren, aber unterm Strich nur "heiße Luft" herauskommt. 

Da gibt es die Geschichte von einem bekannten Karate-Meister, der Bilderbuch-Mawashis (Roundhouse-Kicks) trat und dafür bekannt war und einem  ehem. Lehrer von mir (damals Braungurt), mit "normal" guten Techniken. Als sich beide eines Tages gegenüberstanden und mittels halten einer Sportmatte, Roudhouse-Kicks trainieren wollten,  ertönte ein beeindruckender "Sound" durch die Halle, als der Meister trat, alle sahen ehrfürchtig zu. Als mein Lehrer dran war, rauschte die erste Technik auf die Matte und der Bilderbuch-Mawashi-Mann flog gegen die Wand.  Die Moral von der Geschicht? Werde beim mühsamen Training der Kampfkünste nicht zu einem guten Schauspieler!


 

Definition der Schnelligkeit:

Unter Schnelligkeit versteht man im Sport die Fähigkeit, aufgrund kognitiver Prozesse (Wahrnehmung), maximaler Willenskraft und der Funktionalität des Nerv-Muskel-Systems höchstmögliche Reaktions- und Bewegungsgeschwindigkeiten unter bestimmten gegebenen Bedingungen zu erzielen. Schnelligkeit ist somit eine psycho-physische Fähigkeit, die nur in solchen Bewegungshandlungen zum Ausdruck kommt, bei denen die maximale Leistung nicht durch Müdigkeit gebremst wird. Für die maximale Ausnutzung der Schnelligkeit im Sport gibt es folgende Bedingungen:

  • Disziplinspezifische Fortbewegung (Bewegungstechnik) und Bewegungsaufgabe (Sportart)

  • Größe des zu überwindenden Widerstandes

  • Körperlicher Zustand/ Tagesform

  • Individuelle Vorraussetzungen( Talent, Konstitution, Wille, Geschlecht, Alter)

  • Äußere Einflüsse (Wind, Lärm, Gegner,  Bodenbeschaffenheit)

"Schnelligkeit bei sportlichen Bewegungen ist die Fähigkeit auf einen Reiz bzw. auf ein Signal hin schnellstmöglich zu reagieren und/oder Bewegungen bei geringen Widerständen mit höchster Geschwindigkeit durchzuführen." (Martin u.a.)


 

Einteilung

Motorische Fähigkeit Handlungsschnelligkeit

Reine Schnelligkeitsformen (abhängig vom zentralen Nervensystem und genetischen Faktoren; nur kurzzeitig realisierbar, bei geringem Widerstand)

Komplexe Schnelligkeitsformen (abhängig von den Bedingungen der reinen Schnelligkeit, der Kraft und der Ausdauer)

Die Handlungsschnelligkeit entsteht durch ein angeeignetes Technikniveau des Sportlers. Sie lässt die Schnelligkeitsfähigkeiten optimal zum Tragen kommen.

  • Reaktionsschnelligkeit ( Starts, Zweikämpfer, Torwart, Spieler)
  • Aktionsschnelligkeit (Schläge)
  • Frequenzschnelligkeit (Beinwirbel ; fliegende Sprints)

  • Kraftschnelligkeit (auch Schnellkraft) (Antritte, Würfe, Schläge)

  • Maximale Schnelligkeitsausdauer (Sprint>70m)

  • Maximale Schnellkraftausdauer (mehrere Antritte)

Unterschieden wird meist auch in Aktionsschnelligkeit (zyklisch, azyklisch) und Reaktionsschnelligkeit.
Die Aktionsschnelligkeit wird über die Kontraktions- und Bewegungsgeschwindigkeiten des Nerv-Muskelsystems erreicht. Die Reaktionsgeschwindigkeit ist die psychophysische Fähigkeit auf Reize und Signale zu reagieren.

 

Der Qualitätsgrad einer Technik verdeutlicht sich in den Merkmalen

  • der Bewegungspräzision,

  • des Bewegungsrhythmus,

  • der Bewegungskopplung,

  • des Bewegungsumfanges,

  • der Bewegungsdynamik,

  • der Bewegungskonstanz und

  • des Bewegungstempos.

Bei Anfängern und wenig Fortgeschrittenen gilt: - je schneller desto ungenauer. Günstige Vorraussetzung sind die koordinativen Fähigkeiten Die Schnelligkeit lässt sich nur schwer ohne den Zusammenhang mit der Kraft und der Geschwindigkeit beschreiben.


Beim Schnelligkeitstraining sollten (nach Martin u.a.) folgende Prinzipien beachtet werden:

  • Die Körpertemperatur muss bei Schnelligkeitsleistungen erheblich über der Umgebungstemperatur liegen.
    Es ist erstrebenswert, Körpertemperaturen von 38,5° zu erreichen, die allerdings eine systematische Aufwärmearbeit von 15 bis 30 min und den Erhalt dieser Temperatur voraussetzen. Die Leistung verbesserte sich bei Untersuchungen dadurch deutlich.
  • Zur Verbesserung der Schnelligkeitsleistungen gehört es, dass die Bewegungsabläufe mit großer technischer Präzision durchgeführt werden. Deshalb soll eine Bewegung (Start oder zyklische Bewegungsabläufe) erst dann schnell durchgeführt werden, wenn die richtige Technik stabilisiert ist.
  • Vor jedem Schnelligkeitstraining muss die Muskulatur dehnfähig gemacht werden, um die inneren Widerstände zu minimieren. Wenn sich ein Muskel kontrahiert, muss sein Antagonist leicht dehnbar sein, um beispielsweise die Gelenkbewegung nicht zu stark zu bremsen.
  • Die äußeren Trainingsbedingungen müssen zum Einschleifen schneller Bewegungsabläufe optimal gestaltet, organisiert und gesteuert werden, so dass das Training ohne Störfaktoren ablaufen kann. Die Trainingsbedingungen sollten sogar standardisiert werden, d. h. stets die gleichen sein.
  • Schnelligkeitstraining sollte ständig unter den Bedingungen von Ergebnis-Rückmeldungen stattfinden, um Leistungsveränderungen genau zu erfassen.
  • Schnelligkeitstraining muss hoch motiviert und mit dem Willen zur optimalen Leistung durchgeführt werden.

 

Schnelligkeitstraining:

Man kann die Schnelligkeit trainieren durch gezielte Übungen zur Verbesserung der Schnelligkeit, und zwar sowohl indirekt durch Training der anderen motorischen Grundeigenschaften (u.a.. Kraft, Ausdauer und Gelenkigkeit) als auch direkt durch Schnelligkeitsübungen. Das Schnelligkeitstraining folgt der Differenzierung der Schnelligkeit in Reaktionsschnelligkeit und Bewegungsschnelligkeit.

Ziele des Schnelligkeitstrainings:

  • Kurze Reaktionszeit

  • Beschleunigungsphasen minimieren

  • Höchstmögliche Geschwindigkeiten für Einzelbewegungen, für Bewegungsfrequenzen und Fortbewegungsgeschwindigkeiten erzielen

  • Schnellstmögliche Bewegungen so oft bzw. so lange wie möglich aufrecht halten

  • Optimale Präzision bei Bewegungsaktionen

Training der Reaktionsschnelligkeit:

  • Aufwärmarbeit vor der Belastung und Vorspannung der Muskulatur erhöhen die Reaktionsschnelligkeit

  • Alle sportmotorischen Fähigkeiten trainieren

  • Training, entsprechend der Vielfalt der Reaktionen auf diese, variabel halten

Training der Bewegungsschnelligkeit:

  • Vorraussetzung : keine körperliche und geistige Müdigkeit

  • Pausen müssen vollständige Erholung gewährleisten

  • Reizdauer und Wiederholungszahl richten sich nach Beginn der Ermüdung

  • Wiederholungsmethode , Ausdauertraining

  • Berücksichtigung der Reaktionsschnelligkeit

  • Training der drei Einflussgrößen

 

 

 

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