Über Kampfstellungen
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"Stände sind eingefrorene Bewegungen, eine Art Schnappschuss einer Bewegung."
(Ed Parker)

 

Um ein solides Fundament für die Selbstverteidigungstechniken zu schaffen, sind Kampfstellungen/ Stände sehr wichtig. Der Stand ist fast immer das Thema, mit dem sich ein Neuling als erstes beschäftigt. Wer nicht stehen kann, kann auch schlecht kämpfen!

Wenn für den Laien  manche Stände zuerst unnatürlich erscheinen, sind sie doch nicht so schwierig zu erlernen, je natürlicher sie sind, desto schneller kann man mit ihnen umgehen. Die Meisterschaft kommt durch ständiges wiederholen und durch die Praxis. Man lernt mit der Zeit Hindernisse zu überblicken und macht gute Fortschritte.

Stände entwickeln Kraft und Geschmeidigkeit in den Beinmuskeln. Das ständige Training der Stände entwickelt die Fähigkeit entspannt zu stehen und trotzdem nicht zu wackeln. Wichtig ist Stände nicht nur im Stand zu trainieren, sondern auch in Bewegung, in Einheit mit dem Üben einer aufrechten Haltung.

 

Haltung

Vielfach unterschätzt, von Anfängern kaum beachtet, von manchen Fortgeschrittenen vergessen.....  die aufrechte Haltung. Eine "aufrechte Haltung" hat nicht nur etwas mit der inneren Einstellung zu tun (ja, dass auch!!!), sie ist etwas natürliches, sie wirkt Verkrampfungen entgegen. Wer kennt nicht die vielfachen Empfehlungen der Mediziner zur Vermeidung von Rückenprobleme:

Diese Empfehlungen gelten nicht nur für den alltäglichen Bereich, sondern trifft auch auf die Bewegungen in der Kampfkunst zu. Etwas über gesundes Training zu wissen, erhöht die Chance noch mit 80 dabei sein zu können  :-)

Der Mensch drückt sich nicht nur durch seine Sprache aus, sondern "transportiert" auch viele Informationen , bewusst oder unbewusst, durch seine Körperhaltung nach außen (schlaffe Körperhaltung = traurig, depressiv; aufrechte Haltung = Selbstbewusstsein, Tatbereitschaft). Körper und Seele stehen in enger Wechselbeziehung. Eine belastete Seele kann die Gesundheit negativ beeinflussen und umgekehrt. So kann eine bewusste aufrechte Haltung mehr Wachsamkeit erzeugen, dem Gegner Selbstbewusstsein entgegensetzen und eine entspanntere Atmung ermöglich. Wer sah schon je eine Buddhafigur mit krummen Rücken?

Der Unterbauch (Hara) ist der Mittelpunkt des Menschen,
die aufrechte Wirbelsäule ist die Achse des Menschen.

 

Quint-Essenz

Drei Punkte die man beim Training der Stellungen ständig verbessert, drei Punkte die wichtig sind, um kämpfen zu können.

 

 

Nutzen

Kenpostände sind sehr effektive und brauchbare Stände, die bei einem "Einsatz im Ernstfall" sehr durchdacht funktionieren.

 

Intelligente  Stellungen... Bemerkung
...Schulen die Balance
  • eine gute Balance, ist eine Voraussetzung sich sicher bewegen zu können
  • eine ausgefeilte Balance macht auch das sichere Bewegen auf schwierigen Böden und unter engen Verhältnissen möglich
...geben automatisch Schutz der verwundbaren Punkte
  • eine gute Stellung ist einfach und schützt trotzdem optimal
  • bei einer optimalen Stellung können schon Millimeter entscheiden und richtige Winkel Wunder bewirken (oft denken Schüler, der Lehrer sei "pingelig" wenn er sich immer wieder über fehlende Millimeter beschwert)
...können Distanzen schnell verändern (Manövrierfähigkeit)
  • gute Stellungen sollten ansatzloses, blitzschnelles Bewegen ermöglichen (zu tiefe Stellungen sehen zwar gut aus, erfordern aber zu viel Energie für brauchbare Leistungen, Muskeln kann man auch anders trainieren)
...verstärken die Kraft  in den Techniken
  • die Prinzipien des American Kenpo ermöglichen das physikalische Optimum an Kraft/ Geschwindigkeit zu erzeugen (Marriage of Gravity, Torgue usw.)
...helfen beim Kontrollieren des Gegners
  • die Kontrolle des Gegners in jeder Phase der Bewegung ist ein wichtiger Grundbestandteil des Kenpo, American Kenpo ist die Kontrolle des Gegners!
...unterstützen eine individuelle periphere Sicht
  • ein ungünstige Stellung kann das Sehfeld negativ beeinflussen (Obscure Zone)
   

 

Grundstellung oder Kampfstellung?

In einer Karatebuch stand mal: "Grundstellungen sind weitaus stabiler als Freikampfstellungen".

Warum sollte man zwei verschiedene Gruppen von Stellungen trainieren? Betreibt man nicht Kampfkunst, also die Kunst zu kämpfen? Sollte man dann nicht immer so kampfrealistisch wie möglich üben? Es gibt tatsächlich Stile, die im Training andere Stellungen üben, als sie dann letztendlich im Kampf bebraucht werden. Schaut man sich deren Freikampfstellung einmal an, wird man kaum unterschiede zu anderen Künsten finden. Warum also? Man sagte mir einmal, um die Muskeln zu trainieren. Im Shotokan Karate z.B. kann man die Veränderung der Stellungen auf Funakoshi´s Überführung des Karate ins japanisches Budo  zurückführen, damals wurden leider viele Schlüsselprinzipien gekappt. Das kann man aber nur erfahren, wenn man auch Stellungen anderer Systeme/ Stile studiert (studieren heist aber nicht, eine Vorlesung besuchen und dann mitreden wollen!).

Im American Kenpo sind alle Stellungen Kampfstellungen und somit kampftauglich, es gibt keine Übungs- oder Grundstellungen. Trotz dem nicht tief gestanden wird, ist American Kenpo eine der schnellsten Künste...und das ohne Muskelsondertraining?? Ich denke, man muss hier nicht näher ausführen.