[ Die Bedeutung des American Kenpo Emblems und seine Entstehung ]    [ Die Entstehung des Kenpo Patches ]


1. Die Form des Emblems

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Die Form des Emblems basiert auf zwei Dingen.
Die große Fläche des E. wird durch zwei Seiten und der Oberseite begrenzt, die einem alten chinesischen Tempel nachgebildet sind. Das Dach und die Wände des Tempels schützen die Mönche und die Elemente vor den äußeren Gefahren.
Die untere kleine Fläche des E. ist wie der Kopf einer Axt geformt. Äxte waren schon immer mächtige Waffen beim Führen von Kriegen. Die Symbolik deutet auf die Anwendung von Kenpo als Hauptwaffe im Kampf (siehe auch das "K" in der Axt). Die IKKA   versteht die Axt auch als "Vollstrecker" gegen Mitglieder, die Schande über den Verband bringen oder gegen die Philosophie verstoßen. "Vollsteckung" soll dann den Ausschluss dieses Mitgliedes aus der IKKA heißen.

 

2. Die Farben des Emblems

Farbe Bedeutung
Grau (Kreis) das Gehirn
Weiß präsentiert die große Anzahl der Anfänger, die die Basis der Kunst sind
Gelb/ Orange stehen für die erste Phase des Lernens (mechanical stage), wie Ed Parker schreibt: "...die gefährliche Stufe des Lernens, da hier der Schüler noch von oberflächlichen, körperlichen Leistungen beeindruckt ist und denkt alles zu wissen..."
Braun (in den Augen des Tigers) steht für die erfahrene Anzahl der Schüler (da ihre Anzahl gering ist), hier wird der Schüler wachsamer und aufmerksamer, der Blick wird langsam tigergleich, begierig, alles mitzubekommen und nach höherem strebend
Schwarz stellt die Stufe des Experten dar
Rot (Drachen) steht für Proffessorship (über Schwarz), Der Drache hat aber auch Weiß und Braun (gelb und orange) in sich vereinigt. Das soll den Professor daran erinnern, dass er immer in der Lage sein sollte zurück zu gehen.

 

3. Die asiatische Schrift auf der linken Seite des Emblems

Diese Schrift steht für den "Geist des Drachens und des Tigers". Diese Zeichen sollen ständig daran erinnern, dass wir eine hohe geistige Ebene erreichen wollen. Die physische Ausbildung, die wir durchlaufen, ist nur ein Meilenstein auf dem Weg dahin. Der wilde Tiger steht für die physischen Fähigkeiten der Kenpo - Stilisten. Also für die Stärke mit der wir angreifen und für die Geschwindigkeit mit der wir den Gegner besiegen.
Die Weisheit vom ehrwürdigen Drachen, zeigt sich in unserem täglichen Leben, in Form von Selbstdisziplin, die wir in unsere täglichen Handlungen integrieren. Das Kenpo - Training gibt uns Selbstvertrauen.

 

4. Die asiatische Schrift auf der rechten Seite des Emblems

Dieser Schriftzug ist eine Erinnerung an den Ursprung aller Kampfkünste. Es ist eine Anerkennung an die Chinesen, was aber nicht heißt, das wir ihnen dienen, um ihnen zu gedenken.
Der Schriftzug bedeutet "Kenpo Karate", übersetzt mit "Gesetzt der Faust, China Hand", die Kunst die wir studieren.
(Ed Parker erklärt in seinen Büchern die Übersetzung der unteren beiden Silben mit "leere Hand",  was nicht richtig ist. Die vorletzte Silbe ist das alte Schriftzeichen für "kara" und bedeutet China (gemeint hier Tang-Dynastie (628-907)).
Das Gesetz der Faust heißt, dass wir uns nicht von anderen diktieren lassen, was gut oder falsch ist. Wir wollen niemanden unterdrücken und werden nicht zusehen, wenn andere unterdrückt werden.
 
Da Ed Parker mit "leere Hand" übersetzt, schreibt er als Bedeutung dazu:
"Leere Hand" sagt aus wie wir kämpfen. Wir verbringen unsere Lehrjahre im Kenpo damit, mit der leeren Hand zu kämpfen. Das heißt nicht, dass wenn wir mit der "leeren Hand" schon über ein gewisses Können verfügen, das wir nicht mit einer gewissen Anzahl von Waffen trainieren.
Du weißt nie, wann der Kampf beginnt, Du kannst aber nicht immer bewaffnet herumlaufen. Es ist also am besten, wenn du zu jeder Zeit in der Lage bist, dich waffenlos zu verteidigen, deine Prinzipien und deine Ehre zu schützen, auch ohne Waffen.

 

5. Der Kreis und die dargestellten Linien

Die Linien im Kreis des Emblems stellen u.a. die acht Himmelsrichtungen dar. Diese heben die Wichtigkeit hervor, zu wissen, wo du bist und wohin du gehen musst. Es ist auch wichtig seine Umwelt wahrzunehmen. Die Notwendigkeit, zu wissen, welchem Pfad zu folgen ist, ist wörtlich und philosophisch gemeint.
Kenpo kann dir helfen , die Ziele deines Lebens zu erreichen. Es ist wichtig ständig auf diese Ziele hinzuarbeiten und zu wissen, in welche Richtung du gehen musst , um es zu schaffen. Im Kampf ist es wichtig zu wissen, wohin sich der Gegner bewegt. Man sollte wissen , wann man sich mit ihm und wann entgegengesetzt bewegt.
Die Linien beschreiben weiterhin die Winkel aus denen verteidigt oder angegriffen werden kann und die Möglichkeiten der Fußarbeit.
 
Der Kreis beschreibt das Leben an sich, ein kontinuierlicher Kreis ohne Anfang und ohne Ende. Genauso wie die Kunst des Kenpo, mit einem niemals endenden Fluß von Bewegungen. Viele Techniken folgen einem Kreis, Bewegungen sind ein Teil eines Kreises. Alle Bewegungen entspringen einem Kreis, gleich ob Angriff oder Verteidigung.
Weiterhin präsentiert der Kreis den Bund der Freundschaft, der zwischen allen Kenpoisten existiert.

 

6. Der Tiger

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Der Tiger ist das stärkste von den in den Kampfkünsten stilisierten Tieren. Der Tiger kämpft gegen unbeugsame Stärke und unbeugsamen Geist. Die Attribute vom Tiger sind: Kraft, Mut, Stärke, Geist, Unsichtbarkeit und Geschmeidigkeit. Der tigertypische kratzende Schlag z.B. wird am besten in der von Kenpo - Stilisten praktizierten "overhead claw" -Technik demonstriert.
Der tiefe Stand und die Theorie der "Marriage of Gravity" sind auch Bestandteil der Kampfweise des Tigers. Wenn ein Tiger einen Angriff vorbereitet , schmiegt er sich dicht an den Boden, wenn er angreift springt er weit und unterstützt mit seinem Körpergewicht seinen Angriff. Der Tiger tendiert dazu blind zu Kämpfen um zu siegen.

 

7. Der Drache

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Der Drache gehört zu den mächtigsten Tieren in der Welt der Kampfkünste. Drachen sind ehrwürdig und klug. Sie sind intelligent und geduldig, mächtig und stark. Der Drache verwendet seinen Witz, um die Oberhand in jeder Situation zu haben. Wenn der Drache kämpft, tut er es zu seinen Bedingungen. Seine typische Art zu kämpfen ist auf und ab mit kreisförmigen Bewegungen, die Kraft und Anspannung erfordern. Die Stärke des Drachens ist sein Wissen. Was er nicht kennt erforscht er, nichts wird für unbedeutend gehalten, weil es vielleicht zu nichts nützt, bis es erwiesen ist, das es so ist.


 
Die Zuordnung von Tieren zu den Graduierungen im Kenpo (Übersicht)
Diese Zuordnung wird von den verschiedenen Kenpoorganisationen unterschiedlich gesehen und interpretiert, hier ein Beispiel:

Orange Belt        Tiger Sonne , Licht, Feuer
Purple Belt         Kranich Rauch, Schatten, Wind
Blue Belt            Leopard Quecksilber, Spiegel, Wasser
Green Belt         Drachen Himmel, Wolken, Berge
Brown Belt        Schlange Felsen, Ursprung, Erde
Black Belt         Affe Raum, Leere, Weite


 

8. Das Tier/Element/Farb System im American Kenpo Karate

Kenpo ist ein System von speziellen Selbstverteidigungsmethoden, von denen viele ihre Wurzeln in den Theorien und Bewegungen der traditionellen Kung Fu Systeme haben. Einige Kenpoverbände beschäftigt sich heute noch intensiver mit den fünf traditionellen Tierstrukturen der alten Systeme.

Die fünf Tiere: Tiger, Kranich, Leopard, Drache und Schlange stellen die verschiedenen Aspekte des Charakters allegorisch dar. Der Tiger hebt z.B. einen aggressiven linearen Stil hervor, während der Kranich das entgegengesetzte Element der Verteidigung und die ausweichende Entgegnung darstellt. Die Geschwindigkeit des Leoparden integriert den klaren Verstand mit der Aggression des Tigers und des Kranichs.

Kenpo braucht die Tiger - Kranich - Leopardenfolge, um den einzelnen Ausbildungsstufen feste Vorgaben in bezog auf die physische Leistungsfähigkeit und eine Richtlinie über die Grundlagen des Systems zu geben.

Die Einstellung des Drachens ist für seine Emotion von kontrollierter Wut berühmt, so dass mehr das Geistige anstatt des Physischen im Mittelpunkt steht.
Die Schlange steht für Ch ' I (Ki auf Japanisch), geistige Kraft, die von der Einigung des Verstandes mit dem Körper abgeleitet ist.
Im Kenpo ist die Persönlichkeit des Praktikers in diese fünf, je von einem entsprechenden Tier dargestellten, Bestandteilaspekte aufgegliedert. Es wird jeder dieser Aspekte einzeln ausgebildet und danach werden alle fünf wieder zusammengeführt zu einem entwickelten Ganzen.
Jeder Finger der Faust steht für einen der fünf Tieraspekte und die Faust die man macht, kann wenn sie geschlossen ist, zu dem versteckten sechsten Tier werden, dem Affen.
Der Affe ist die erste Stufe zur Beherrschung des Systems, um die höchste Stufe des Geistes zu erreichen. Der Affe verbindet den Intellekt mit den physischen und emotionalen Disziplinen der vorangegangenen fünf Tiere zu einem wertvollen Ganzen.
Jede Person hat relativ natürlichen Stärken und Schwächen, jeder Affe ist anders und zeigt eine Vorliebe für das Natürliche. Jeder Affe kann entscheiden ob er Kranich oder Drache sein will.


Die Entstehung des Kenpo Patches

Der erste Entwurf des original Kenpo Emblem wurde 1960 von Dick Tercell für den Kenpo Karateverband von America (KKAA) gestaltet und setzte den Anfang des amerikanischen Kenpo. Die KKAA wurde 1956 von Ed Parker gegründet. Das erste Schwarzgurt – Zertifikat, wo das Originalemblem das erste mal verwendet wurde, war das von Al Tracy´s Shodan im Januar 1961.

Ed Parker war der Chef der KKAA bis 1964, als er die International Kenpo Karate Association (IKKA) gründete, die KKAA ging nun auf seine ältesten Schwarzgurte über. Zwar liebte Ed das Aussehen des Patches, konnte es damals aber nicht urheberrechtlich schützen lassen. Als das Originalpatch gestaltet war, experimentierte Ed ständig an einer Neugestaltung eines Emblems, um die Vergangenheit endgültig hinter sich zu lassen. Erst 1963 nahm die IKKA als Verband ernste Formen an und das Patch erhielt seine jetzige Form.


Wir versuchen mit  unseren Artikeln zu informieren und können unmöglich alle Fakten auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen. Oft verlassen wir uns auf Aussagen von hochgraduierten Lehrern. Gern stellen wir aber auch unterschiedliche Ansichten oder Fakten dar. So auch im folgenden:

Zu der obigen Aussage über die Entstehung des Patches, schrieb man auf eine Anfrage im Forum der IKKA  folgendes:

"Tja, hier kann ich Dir mit Gewissheit sagen das es sich um ein wildes Gerücht handelt. Ich habe die originalen Entwürfe (des Patches) im Parker Haus gesehen. Ferner habe ich mich auch mit David Parker über die Entstehung des Crestes unterhalten. Es ist wohl wahr, dass Mr. Tercell einen Entwurf entwickelte, Ed Parker jedoch mit diesem nicht zufrieden war und seinen Bruder beauftragte ein Crest zu entwickeln. Auch ist die Behauptung das Mr. Parker aufgrund des Tercell Designs kein Copyright erhalten hat, völlig falsch. Ed Parker, und jetzt seine Frau, patentierten das Crest von Anfang an. Also, wenn wir vom Parker Patch sprechen dann hat das schon seine Richtigkeit....."


Die Schaffung eines Fachverbandes

Obwohl die Idee, eine neue zusätzliche Organisation zur KKAA zu schaffen, seit 1959 erörtert wurde, dachte man daran eine Internationale Karate Föderation zu gründen, in der Kenpo (vertreten durch die AAKK) einer von vielen Stilen wäre. Jedoch gelang es Ed nie, die Unterstützung der anderen jap. Karatestile für die IKF zu bekommen.
Eigentlich war die IKKA eine Idee von Mills Censhaw, einer von Ed´s ersten Studenten. Mills war die dynamische Kraft von Ed Parker´s Schule in Salt Lake City, die Mills 1963 eröffnete.
Ed sprach mit Mills und einige seiner Schwarzgurte über die Gründung einer neuen Organisation, aber Ed wollte keine Organisation, die er nicht kontrollieren konnte. Mills war immer sehr offen und ehrlich gegenüber Ed, er kümmerte sich darum, dass die IKKA wirklich international wurde.
John McSweeney (Ed Parker´s achter Shodan) ging im Dezember 1962 nach Irland wo er im folgenden Jahr eine Schule eröffnete. Doch die KKAA interessierte sich nicht für die Iren, so dass John eine Organisation suchte, die wirklich international war – die IKKA.
Es war Mills Censhaw, der die Initiative übernahm, für Zertifikate der IKKA das Originalpatch zu verwenden. Ed war beeindruckt von den Zertifikaten, so dass er Mill als "Chairmen of the Board of Regents" einsetzte.
Im August 1964 kamen von der KKAA James Ibrao, Rich Montgomery und Rich Flores (Ed´s ersten drei Schwarzgurte) als höchstgraduierte und älteste Schüler zur IKKA.
Eines Tages war Ed nicht mehr mit dem Tercell – Patch zufrieden, es war nicht sein Entwurf. 1963 begann er, für die sich entwickelnde IKKA, ein neues Emblem zu gestalten. Dieses hatte eine Flamme im Zentrum, umgeben von einem waagerechten Oval.

Flame.jpg (2206 Byte) (Die "Flame" ein Emblem der IKKA)

Aber das Emblem kam nicht so gut an. Mills hatte auf Ed genug Einfluss, um das Originalemblem in der IKKA zu behalten. So wurde Ed´s neues Emblem zusammen mit dem Originalemblem sein Markenzeichen bei den International Karate Championships im August 1964 in Long Beach.
Ed experimentierte aber weiter mit der Gestaltung eines neuen Emblems, das seine Philosophie von Kenpo ausdrücken konnte. Eine von seinen Ideen war die Erweiterung des "Kompasses" vom Originalemblem der KKAA. Der Kompass war eine Idee von Ed, er fügte nun neue Linien und Kreise hinzu und schuf so ein neues Emblem, dessen Urheberrechte er erlangen konnte.
Dieser neue "Universal" Patch war ein Kreis mit Linien Kurven und Kreisen, die die Richtungen der Bewegungen im Kenpo darstellten. Dieses neue Emblem zusammen mit dem gewölbten Schriftzug "IKKA" darüber, konnten evtl. das neue Zeichen der IKKA werden.

mcircle.jpg (3944 Byte) ( Das "Universal Patch" der IKKA)

Jedoch blieb das alte Patch für viele Parker - Schwarzgurte das traditionelle Zeichen für Kenpo als Hinterlassenschaft von Ed. Das Originalpatch wurde immer über der linken Brust getragen, während die "Flamme" lange Zeit irgendwo getragen wurde. Inzwischen fand es seine Stelle über der rechten Brust und das neuere "Mystic Circle" wird oben auf dem linken Arm getragen.

Man kann sagen, die Gründung der IKKA und später die Veranstaltung des Internationalen Turniers, waren der Beginn der Veränderung vom "Kenpo der Vergangenheit" zu einem neuen System.