Der Blick in den Kampfkünsten
(Mirco Berwing)
 
 
„ Der alleredelste Sinn des Menschen ist das Sehen“
(Albrecht Dürer)

 

Das Auge ist unser Hauptsinn. Wir nennen das Antlitz „Gesicht“, „betrachten“ die Dinge und „nehmen etwas in Augenschein“. Schon der Sprachgebrauch zeigt, wie abhängig der Mensch vom Sehen ist.

Die Benutzung der Augen im Kampf ist fast genau so wichtig wie die Atmung. Nur „fast“ genau so, weil es ohne Atmung überhaupt nicht geht, ohne zu sehen unter Umständen ja.

Wer hat sich nicht schon mal mit der Frage beschäftigt: „Wo soll ich hinsehen im Kampf?“ Diese Frage steht seit eh und je. Einige mögen jetzt sagen: „ Egal, einfach plattmachen den Gegner!“ Nun, das mag wohl für 2 Meter-Männer mit breitem Kreuz der Weg sein. Was tut aber jemand, der auf Technik und Taktik angewiesen ist, da er körperlich nicht so gut ausgestattet ist?

Drei wichtige Punkte, die beim Blick zu beachten sind:

  1. direkte visuelle Kontrolle des Angreifers

  2. optimale Kontrolle des Umfelds

  3. Vermeidung von Fixierung auf (potentielle) Angriffsziele

 

In frühen Zeiten der Kampfkünste, kannten die verschiedenen Schule unterschiedliche Arten o.g. Punkte zu berücksichtigen:

Region

Fixierung des Blickes auf

Nordchinesische Schulen

Hände und Finger

Südchinesische Schulen

die Augen

Provinz Jiangxi

die Schultern

Provinz Hebei

die Brust

 

Vor über 15 Jahren lernte ich zwei Lehrer kennen lernte, die keine der o.g. Methoden praktizierten. Der eine blickte immer leicht neben den Gegner, was sehr irritierend war für mich und der andere wanderte mit seinem Blick ständig über den ganzen Körper, ohne zu fixieren.

Daraus könnte man Schussfolgern, dass es wahrscheinlich mit den verschiedensten Arten möglich ist erfolgreich zu arbeiten. Wobei einige der o.g. Methoden sicher mehr stilfixiert sind.

Eine Synthese aus diesen Methoden ist die sog., von Ed Parker definierte, „Outerrim Theory“. Hier sind alle og. Bereiche enthalten und werden kontrolliert. Man konzentriert sich auf den Outerrim – Bereich als ganzes (siehe auch hierzu „Outer Rim“).

Versuche durch die ideale Methode des Sehens, aus den kleinsten Regungen des Gegners einen möglichen Angriff zu erkennen, um ihn im Ansatz zu verhindern.

 Schnelles (aufmerksames) Sehen ist nicht angeboren, man muss es trainieren!

Zum Beispiel auch für Personenschützer ist es besonders wichtig, auf eine bestimmte Art und Weise zu „sehen“. Neben der direkten Fixierung auf das Umfeld der Schutzperson, muss ebenfalls das weitere Umfeld beobachtet und nach möglichen Gefahren sondiert werden. Master Berwing bezeichnet die Art des Sehens im Personenschutz als "Intelligentes Sehen". Es reicht nicht nur schnell zu Erfassen, sondern es muss auch blitzschnell ausgewertet werden, um die nötigen Maßnahmen einzuleiten und das alles im Team. Ein gut eingespieltes Team arbeitet wie ein "Gehirn", ohne Konflikte des Abgleichs von Daten.

Vorausschauendes Sehen, kann größere Gefahren im Vorfeld verhindern.

In der Kampfkunst kann schnelles Sehen  langsame Techniken ausgleichen (also die eigene Gesamtgeschwindigkeit erhöhen, ohne mehr Energie zu verbrauchen). Man unterscheidet zwei Hauptarten des Sehens (siehe auch  test):

 

1.      das Mittelpunktsehen

2.      das Periphere Sehen

-         die Aufmerksamkeit ist auf einen Punkt konzentriert

-         ein klares, scharfes Sehen

-         obwohl man auf einen Punkt sieht, ist die Aufmerksamkeit auf einen größeren Bereich ausgedehnt

-         unscharfes Sehen/ kontrollieren der „Randbereiche“

 

Das Sehfeld vergrößert sich mit zunehmender Entfernung und verkleinert sich im Nahbereich. Schon ab Armlänge und dichter entstehen „Oscure Zones“, Bereiche, die mit den Augen nicht mehr kontrollierbar sind. Hier ist es wichtig den taktilen Kontakt (checking) aufzunehmen und nicht zu verlieren.

Der optische Reiz ist einer der langsamsten, schneller ist der akustische und am schnellsten der taktile Reiz. Alle drei Möglichkeiten Informationen zu erhalten, sollten optimal für den Kampf ausgenutzt werden.

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